Kultur

Klebrige Kunst

Die Heidelberger Streetart-Künstlerin Barbara. klebt munter gegen den deutschen Schilder-Dschungel an, oder besser: Sie klebt dabei mit! Viele ihrer Anmerkungen sind politischer Natur, andere dafür vor allem lustig. Wir haben uns zum Chat verabredet, um mehr über ihre Arbeiten zu erfahren.

Manche Menschen kleben sich Post-its an den Computerbildschirm, um sich an einen wichtigen Termin oder das Lieblingszitat zu erinnern. Die Streetart- Künstlerin Barbara. hingegen, klebt in Heidelberg seit einigen Monaten Sprüche und Kommentare und macht damit Menschen im öffentlichen Raum auf alltägliche Merkwürdigkeiten aufmerksam. Barbara. klebte zunächst in Berlin und jetzt in Heidelberg; vor allem auf Warn-, Verbots- und Hinweisschildern sind ihre oftmals politischen Sprüche zu finden. Da Barbara. anonym bleiben möchte, war ein Interview nur über ihre offizielle Facebook-Seite möglich. Im Interview hat sie uns mehr (oder weniger) über sich und ihre Klebewut verraten. Barbaras erstes Buch „Dieser Befehlston verletzt meine Gefühle“ ist im Bastei Lübbe Verlag erschienen.

uni[ma]gazin: Hallo Barbara.

Barbara.: Hallo Dora.

uni[ma]gazin: Die erste Frage ist ja quasi obligatorisch: Wer ist eigentlich Barbara.?

Barbara.: Meine Antwort auch: Ich bin Barbara.

uni[ma]gazin: Dann etwas anders gefragt: Warum gibt es Barbara. denn?

Barbara.: Weil meine Eltern mich gezeugt haben oder zumindest schlecht verhütet haben. Ich bin darüber ganz froh.

uni[ma]gazin: Eine große Zahl an Fans sicherlich auch, sonst wäre der Schilderdschungel in Heidelberg sehr langweilig. Hast du ein Lieblingsschild?

Barbara.: Ja, das “Bekleben verboten”-Schild mag ich ganz besonders, weil es ein Verbot ist, welches mich direkt betrifft. Das motiviert mich sehr dort immer wieder etwas zu kleben, direkt neben das Schild.

c-barbara-bekleben-verboten

uni[ma]gazin: Kam schon mal eine Antwort zu einem deiner Zettel?

Barbara.: Im Internet jede Menge, auf der Straße ist mir bisher nichts aufgefallen. Meine Zettel und Plakate haben aber auch meistens eine recht kurze Lebensdauer. Papier ist nicht sehr wetterfest. Ich hab mal versucht meine Plakate mit diesem 3-Wetter-Taft zu versiegeln, aber das hat nicht funktioniert. Ich glaube die Werbung lügt.

uni[ma]gazin: Dafür ist unversiegeltes Papier sicher ökologischer… Die Polizei hat also bisher auch nicht versucht dich aufzuspüren? Streng genommen wäre das Bekleben von Schildern ja Sachbeschädigung.

Barbara.: Ich habe keine Angst vor der Polizei und denke, dass die Besseres zu tun haben sollten als mich zu verfolgen. All meine Aktionen sind so angebracht, dass sie rückstandsfrei und ohne Aufwand entfernt werden können. Ich denke, das sollte gesellschaftlich akzeptabel sein.

uni[ma]gazin: Die große Zahl der Fans auf facebook lässt das auf jeden Fall vermuten! Hättest du mit so viel Aufsehen gerechnet?

Barbara.: Nein, gar nicht. Ich klebe schon seit langer Zeit meine Botschaften im öffentlichen Raum und hab das immer nur für mich gemacht und so gut wie nie irgendein Feedback erhalten. Anfang 2014 hab ich dann entschieden, Fotos in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. Die Resonanz hat mich dann doch überrascht.

uni[ma]gazin: Du sagst, dass du schon lange deine Botschaften verteilst und ursprünglich alles damit angefangen hat, dass du als Kind gemeinsam mit deinem Großvater Hakenkreuze, die an Wände gemalt worden waren, in Windmühlen umgewandelt hast. Machst du das immer noch und was reizt dich bis heute an der Street-Art?

Barbara.: An einem Hakenkreuz gehe ich niemals kommentarlos vorbei. Das ist das Erbe meiner Großeltern, die mir bereits als kleines Kind erklärt haben, wie wichtig es ist seine Stimme gegen Unmenschlichkeit zu erheben. Der öffentliche Raum ist voll mit Botschaften, meistens Gebote oder Verbote. Mich reizt es täglich aufs Neue diesen Botschaften Antworten zu geben.

c-barbara-luegenkresse

uni[ma]gazin: Also ist das Ziel die Leute auf die kleinen und großen Merkwürdigkeiten und Unmöglichkeiten im Alltag aufmerksam zu machen?

Barbara.: Ich möchte keinen moralischen Zeigefinger gegenüber anderen erheben, sondern nur meine Meinung zum Ausdruck bringen. Als Künstlerin freue ich mich natürlich sehr, wenn meine Arbeit auch anderen etwas bedeutet.

uni[ma]gazin: Das ist doch ein schönes Schlusswort! Danke für das Interview!

Das Interview führte Dora Köhler, Fotos: Barbara.

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