Kultur Musik

Dan Mangan und Blacksmith im Karlstorbahnhof

Eine gelassene Spannung ist zu spüren, als die Zuschauer am letzten Sonntagabend auf den Auftritt von Dan Mangan und Blacksmith im Rahmen des Queerfestival im Karlstorbahnhof in Heidelberg warten. Der bärtige Kanadier, der die Fans früher mit indiefolkigen Hymnen beglückte, hatte in seinem neuen Album „Club Meds“ einige Veränderungen vorgenommen. Seine Band hat mehr Gewicht, wie unschwer am erweiterten Bandnamen und später auf der Bühne zu erkennen- und auch der Stil ist anders. Phänomenal, aber gerade für eingefleischte Fans zunächst irritierend. Düsterer, sperriger, irgendwie sphärisch. Man durfte sich also auf etwas gefasst machen. Quer und dennoch beruhigend ging es dann auch los. Als der Support „Cristobal and the Sea“ loslegte, verfolgte Dan sympathisch im Publikum das Konzert ihrer „Schützlinge“. Barfuß und gut gelaunt brachten die Newcomer, die Zuhörer zum Warmwippen und Tanzen. Und doch lag etwas Schwermut im Auftritt der Viernationalitätenband, die mindestens so viele Einflüsse in ihrer Musik verbindet. Es sollte vorerst der letzte Auftritt als Support für die Kanadier sein. „They looked after us“, formuliert es der Bassist später bei einem Pläuschchen am Merchandise-Stand. Und genauso taten es Dan Mangan und Blacksmith danach auch bei ihrem Publikum. Man konnte sich einfach fallen lassen und für die ca. 1.5 Stunden, die eigentlich nie mehr aufhören sollten, seine Sorgen in Dans Hände legen. Anders als früher, aber genauso stimm- und klanggewaltig, fegte die Band mit einer ansteckenden Spielfreude über die Bühne. Sie beglückte mit virtuosen Soli des Schlagzeugers und Trompeters und rockte, was das Zeug hielt, als auch der Gitarrist seinen Einsatz hatte. Die Songs des Albums gewannen Live-Charakter und wirkten nicht mehr nur als Soundkulisse, sondern hauten einen um. Dan ließ es sich auch nicht nehmen, die eine oder andere Entstehungsgeschichte zu erzählen. „Forgettery“ ist zum Beispiel die Formulierung eines alten Verwandten zu seiner Vergesslichkeit. Auch das Schäkern mit dem Publikum kam nicht zu kurz, wenn Dan feststellt: „the canadian castles are not as nice as yours“ und „you shouldn´t feel bad about your mountains“. So harmonisch wie die Stimmung fügten sich neben den klar dominierenden Songs des neuen Albums auch ältere Stücke aus dem Vorgängeralbum ein. Schließlich kamen auch die Fans der ersten Stunde auf Ihre Kosten, als Dan zur Zugabe den alten Singer-Songwriter, alleine mit seiner Gitarre und der unverwechselbaren Stimme ohne Synthesizer und verzerrten Sound, aus der Kiste holte und die Fans mit dem Song „Basket“ in alte Zeiten mitnahm.
Sentimental waren am Ende nicht nur die Musiker, sondern auch die dankbar mitsingenden Fans. Zum Abschied spielten sie gemeinsam mit der Vorband den letzten Song, eine „Club-Meds“-Version des Gitarrenschrummel-Songs „Sold“. Zum Glück konnte man sich am Merchandise-Stand bei Dan höchstpersönlich noch eine letzte Portion kanadische Sympathie und das Album „Club Meds“ abholen, welches an diesem Abend wohl alle Kritiker überzeugt haben muss, bevor man langsam, restlos zufrieden nach Hause ging.

Text: Clara Schäper

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