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Das alltägliche Problem: Selbstzweifel

Kennt ihr nicht auch immer diese Selbstzweifel, die einen einfach urplötzlich überkommen. Man hat gute Laune und bam, dann kommen sie um die Ecke. Das kann auf Instagram sein, in der Stadt, einmal ist es mir sogar auf LinkedIn passiert. Man hat einfach keine Kontrolle darüber. Aber warum ist das so? Warum hat man überhaupt Selbstzweifel? Warum kann man nicht einfach zu sich selber sagen, ich bin toll und alle anderen sind mir egal? Einen Schlussstrich ziehen von den ganzen negativen Gedanken?

Das zentrale Problem des Menschseins ist, dass die eigene Identität durch das Abgrenzen geschaffen wird. Nur durch die Alterität, das heißt das „Andere“, kann man sich selbst definieren und ein „kommunikatives Selbstverständnis“ herausbilden. Ich will euch aber jetzt nicht mit Fachbegriffen nerven. Fakt ist, nur durch die Abgrenzung von anderen, also durch das Beobachten, Abschätzen, das bloße Wahrnehmen von deinen Gegenübern geschieht Identitätsbildung. Und das ist doch das Paradoxe an der ganzen Sache: Man braucht jemand anderen, um sich selbst zu finden und sich zu identifizieren. Und das Schlimmste kommt noch: Identität ist eine Aspiration. Das heißt, Identität ist nur eine zielgerichtete Hoffnung oder ein Bestreben. Und diese Hoffnung kann nie erreicht werden; das heißt, dass man niemals in seinem Leben seine endgültige Identität findet. Man kann die Identitätsfindung also als unabgeschlossenes Projekt, als immerwährendes Sehnen nach Erfüllung sehen. Als ich das gelesen habe, war ich erstmal geschockt. Kann man also niemals wissen, wer man eigentlich ist?

Aber das ist doch eigentlich das Schöne an der ganzen Sache, oder? Man hat die Chance, immer weiter zu streben, immer wieder sein Bestes zu geben und wenigstens ein Gefühl der eigenen Identität zu finden. In der Kulturwissenschaft nennt man das auch eine „kontrafaktische Unterstellung“. Das meint, dass die Identität zwar nie gegeben, aber man so tun sollte, als ob sie bestehen würde. Jürgen Straub, ein Psychologe, der sich ausgiebig mit Identität beschäftigt hat, sagte einmal, dass „Identität nichts sei, was eine Person ein für alle Mal besitzt, sondern für die jeder sorgen muss“. Die Identität muss also immer weiter gepflegt werden, umsorgt und aktualisiert werden.

Selbstzweifel sind ein großes Problem in der heutigen Gesellschaft: Jeder hatte dieses Gefühl schon einmal, wo man sich zum Beispiel auf den sozialen Medien mit Anderen verglichen hat oder auch im eigenen sozialen Umfeld Unsicherheiten aufgetaucht sind. Doch beim nächsten Mal erinnert euch daran, dass durch dieses Abgrenzen von Anderen Identitätsbildung geschieht. Und vielleicht wird euch dadurch klar, dass ihr so toll seid, wie ihr seid, dass eure Identität einzigartig ist.

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