Campusleben

Es brodelt im Topf der Hochschulfinanzierung

Allein der Begriff „Hochschulfinanzierung“ klingt schon zu trocken, um sich damit wirklich beschäftigen zu wollen. Doch was sich in diesem Jahr an der Universität Mannheim aus diesem Wort herausholen lässt, ist alles andere als langweilig. Der Topf, der Finanzierungsmaßnahmen, Pakte, Buchungssysteme und vor allem Einsparungen umfasst, brodelt und schon bald wird so einiges, was wir Studierende als selbstverständliche Leistungen der Universität genießen, verdampft sein.

Was ist also der aktuelle Stand? Wie wir bereits im April online berichteten, gilt ab diesem Jahr der neue Hochschulfinanzierungspakt „Perspektive 2020“, der vor allem die Grundfinanzierung der Hochschulen erhöht. Tatsächlich ist diese Erhöhung hauptsächlich eine Umschichtung der zweckgebundenen Qualitätssicherungsmittel, die früher mal die Studiengebühren waren. Diese ca. sechs Millionen Euro pro Hochschule wurden in Baden-Württemberg nur an der Universität Mannheim voll ausgeschöpft und in die Verbesserung der Lehre gesteckt. Die meisten anderen Hochschulen des Landes profitieren nun von der Umschichtung, da sie Gelder, die bei ihnen vorher nicht abgerufen wurden, jetzt in der Grundfinanzierung flexibler einsetzen können. Dieter Zinser, Leiter des Rektoratsbüros der Uni Mannheim erklärt, „wir werden nun dafür ‚bestraft’, unsere Hausaufgaben gemacht zu haben“.

Das Qualitätssicherungsmittel-Gremium (QSM), welches bisher für die Verteilung dieser Mittel an unserer Universität zuständig war, traf sich Ende letzten Semesters, um seine Auflösung bekannt zu geben. Wie sich allerdings heraus stellte, sind noch „alte“ QSM übrig, weil sie nicht, wie ursprünglich geplant, ausgegeben wurden. In den kommenden Wochen und bis spätestens 31.12.2016 muss nun das „alte“ Gremium nochmal tagen denn nur sie dürfen über die alten Mittel verfügen. Max Meisenheimer, ehemaliger Vorstand und Mitglied des Gremiums erklärt, dass die letzte Amtshandlung des Gremiums das Erstellen eines „Rankings der Anträge“ war, welches dem Rektorat übergeben wurde und zeigen sollte, welche Anträge dem Gremium besonders wichtig waren. In die weitere Planung der Neuverteilung der Mittel, die nun als Teil der Grundfinanzierung im alleinigen Entscheidungsspielraum des Rektorats liegen, wurde das Gremium allerdings nicht mehr mit eingebunden.

Sparmaßnahmen sind unausweichlich

Aber wo liegt nun das Problem? Die Gelder sind nicht weg, sie liegen nur nicht mehr unter der Mitbestimmung der Studierenden und sind nicht wesentlich erhöht worden. Also kann doch alles beim Alten bleiben? Leider nein. Zusätzlich zu dem Hochschulfinanzierungspakt kommen schon ab diesem Semester wirksame, erhebliche Sparmaßnahmen auf unsere Universität zu. Herr Zinser betont, dass man hier klar zwischen Pakt und Einsparungen differenzieren müsse. Bereits seit ca. drei Jahren wirtschaftet die Universität Mannheim mit einem Defizit, das früher oder später durch Einsparungen ausgeglichen werden musste. „Die Kürzungen müssen jetzt gemacht werden, da die Steigerung der Grunfinanzierung bis 2017 nicht groß genug ist, um das Defizit auszugleichen“, so Meisenheimer. Nach dem Motto „Man muss mal sparen, aber es kommt ja der neue Pakt“ (Meisenheimer) wurde das Angebot der Universität z.T. noch erweitert und aus den Vollen geschöpft.

Jetzt wird die Universität also von der Realität eingeholt und kündigt ein straffes Sparprogramm an, um das Loch im Haushalt zu stopfen. Das Ergebnis der Dekane nach erster Prüfung der Finanzlage war: keine Einsparungen über eine Millionen Euro, wobei hier manche Fakultäten, wie zum Beispiel die Sozialwissenschaften stärker betroffen sein werden, als andere, wie zum Beispiel die VWL die noch aus Rückzahlungen eines vergebenen Kredites an die Universität schöpft.

Am 11. Juni tagte der Universitätsrat. Hier äußerte sich das Rektorat zum ersten Mal seit Beginn des Semesters mit Zahlen und Fakten über die Sparmaßnahmen. Ein paar Tage später bei der Verkündung dieser gegenüber AStA und Fachbereichsvertretungen klangen die vorgestellten Maßnahmen allerdings nicht mehr, wie Herr Zinser noch im Mai erklärte, nach Grundzü- gen, die erst im Herbst beschlossen werden würden, sondern nach einem festen Plan, der nur noch den Dekanen zum „Abnicken“ vorgestellt wird.

Die Studierenden bleiben außen vor

Die harten Fakten sind Einsparungen von insgesamt 3,5 Millionen Euro. Diese fallen zu 1,8 Millionen den Fakultäten, also der direkten Lehre zur Last (Tutorien, PC- Pools, etc.), und zu 1,7 Millionen den Institutionen und der Zentrale der Universität. Hier verteilen sich die genauen Sparbeiträge mit ca. 600.000 – 700.000 Euro auf die Universitätsbibliothek, mit 200.000 Euro auf das Rechenzentrum, mit ca. 300.000 Euro auf das Studium Generale und mit ca. 700.000 Euro auf die Zentrale. Nun liegt es an den Fakultäten und den Institutionen, zu entscheiden, wie sie die Einsparungen am wenigsten schmerzhaft umsetzen.

Wie sich die Situation auf Übungen, Lehrangebote und Seminare der einzelnen Fakultäten (die ursprünglich verlauten ließen, die Sparbeträge dürfen bei Ihnen eine Millionen Euro nicht überschreiten) genau auswirkt, bleibt nun abzuwarten. Erschwert wurde die Analyse der Finanzen zusätzlich durch Probleme mit dem neuen Buchungssystem von SAP. Seit Sommer letzten Jahres wurde dieses ohne Schulungen der Angestellten an unserer Universität eingeführt. Bis zu Beginn der Semesterferien hat kein einziger Kontoinhaber, sprich auch keine Fakultät, kein Lehrstuhl und kein Sekretariat Kontoeinsicht gehabt. Gestemmt wird die Arbeit an diesem Problem vom Studienbüro, zusätzlich zu deren normal ausgelastetem Alltag, bei dem im Rahmen der Einsparungen auch Stellen gekürzt werden. Herr Zinser verspricht hier eine „bessere Übersicht“, sobald das System, das seit den Ferien läuft, etabliert ist.

Von 6 Millionen zu 750.000 € Mitbestimmung

Übersicht ist ein gutes Stichwort, denn wer bei diesem Finanz- und Zuständigkeitsgeschiebe noch den Überblick behält: Respekt. Die intransparenten Entscheidungsfindungen und Prozesse lassen uns Studierende eher außen vor als mittendrin. Die Studierendenvertreter, die über das Semester hin stets in Gesprächen mit dem Rektorat „vertröstet“ und zum Abwarten verdammt waren sehen sich nun den blanken Zahlen gegenüber. Sie müssen in dem Wirrwarr aus Gebuhle um Gelder nun entscheiden, wo sie die Ihnen obliegenden 750.000€, die die Restpossen der QSM-Mittel darstellen, einsetzen, nämlich dort, wo die Einsparungen uns Studenten am meisten tangieren. Das neue, verkleinerte Gremium das sich aus Vertretern aus ASta und Fachbereichsvertretern zusammenstellt, konstituiert sich noch diesen September neu.

Es besteht also „keine kausale Verbindung zwischen Sparmaßnahmen und Finanzierungspakt“ (Zinser) und doch erinnern die Zustände stark an die „Verhandlungen hinter verschlossenen Türen“, von denen Max Meisenheimer, der auch Landeskoordinator der Juso-Hochschulgruppen Baden Württemberg ist, berichtet. Bereits im Sommer letzten Jahres forderten die Studierenden von der Landesregierung mehr Mitsprache in Gestaltung und Planung des neuen Hochschulpaktes. Es wurde damals zwar ein Treffen mit den Fraktionsvorsitzenden anberaumt, aber für die Studierenden kam dabei „nichts Gutes“ heraus. Auch unser Rektor Professor Dr. Ernst-Ludwig von Thadden kritisierte den Prozess durchgängig. Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer betont in einem Interview mit „campus tv“ im Mai, dass diese „gewisse Einbuße an Mitspracherechten“ in der studentischen Mitbestimmung gerechtfertigt sei. Rektoratsleiter Herr Zinser sieht den Fall, dass die Universität nun immerhin freieren Umgang mit den Geldern habe als Glücksfall.

Den Studierenden bleibt vorerst nur übrig hinzunehmen, dass das Angebot an der Universität eher „weniger wird, als mehr“, wie es der Rektor bereits bei der Erstsemesterbegrüßung im Herbstsemester 2014 ankündigte.

Die konkrete Einschnitte:

Konkrete Einschnitte, die durch die Grundfinanzierung getragen werden sind:

  • Kürzung der Öffnungszeiten der Bibliothek auf 8-19 Uhr (während der Bestand an Literatur kaum eingeschränkt wird), Kompromisslösungen wie ein Rotationsmodell der Öffnungszeiten zwischen den Bibliotheksbereichen oder Schließung der Bibliotheken an Sonntagen werden diskutiert.
  • Einsparungen am Rechenzentrum. VPN-Client, eCUM, Drucker und weitere Serviceleistungen, die den Studienalltag aufrecht erhalten, werden aber als unverzichtbar bestehen bleiben.
  • In den Fakultäten gibt es voraussichtlich ein verkleinertes Angebot an Übungen, Seminaren und Tutorien.
  • Bei den Studienbüros sowie Stellen, die sich mit Internationalisierung beschäftigen, wird weniger gekürzt. Das Rektorat wird eine halbe Stelle im Sekretariat einsparen, die Gleichstellungsbeauftragte der Uni wird weniger gut ausgerüstet und die universitäre KiTa wird als solche nicht mehr weiter betrieben werden.
  • Am 14.10.15 findet die nächste Uniratssitzung statt, für diese planen Fachbereichsvertreter und Fachschaftsrat eine „Aktion“, die die Beteiligung und Anteilnahme aller Studenten unterstreichen soll. Außerdem findet eine Podiumsdiskussion mit der Kanzlerin, dem Rektor und dem Leiter des Rektoratsbüros, sowie drei Studierendenvertretern zu dem Thema Hochschulfinanzierung statt.

Text: Clara Schäfer, Foto: Stefanie Eichler (Wikipedia)

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