Allgemein Campusleben

Fünf politische Porträts

Zur AStA-Podiumsdiskussion zur Landtagswahl 2021

Hinweis: Dieser Artikel dient der Unterhaltung. Informiert euch bitte ordentlich, bevor ihr wählen geht.

Studium und politisches Engagement haben in meiner Vorstellung eigentlich immer zusammengehört. Jede Woche auf eine andere Demo gehen, mit Kommiliton*innen angeheizt über Rousseau, Marx und Voltaire diskutieren oder eigene Pamphlete und Manifeste verfassen – sehr romantisierend, ich weiß. Nun ist es aber so, dass es aktuell keine Demos gibt (zumindest keine, mit denen ich gerne in Verbindung gebracht werden würde…), mein Vorschlag, einen Philosophie-Lesekreis zu gründen, nur wenig Anklang fand und ich allerhöchstens mal eine Seminararbeit oder einen uni[ma]gazin-Artikel verfasse (immerhin). Sind wir denn alle völlig apolitisch geworden? 

Umso schöner, dass der AStA der Uni Mannheim in Kooperation mit den Studierendenausschüssen der DHBW, der Musikhochschule und der Hochschule Mannheim eine Podiumsdiskussion zur Landtagswahl veranstaltete. Daran nahmen die Landtagskandidat*innen der Grünen, CDU, SPD, FDP und der Linken aus dem Wahlkreis Mannheim Süd teil. 

Mit einer Flasche Wein, einer Packung Erdnüsse und der Hoffnung einen brauchbaren Text zu fabrizieren gewappnet, war ich für euch mit dabei.

Und voilà – herausgekommen sind fünf herrlich subjektive und oberflächliche (manchmal auch etwas böse) Mini-Porträts über fünf sehr unterschiedliche Politiker*innen. Denn mal ganz ehrlich; wer unbedingt „Inhalte“ will, der kann auch einfach Wahlprogramme lesen gehen.

Die Routinierte

Elke Zimmer weiß, was sie tut. Zumindest rhetorisch kann man das über die Grünen-Kandidatin mit Fug und Recht behaupten. Seit 2016 ist sie Mitglied des Landtages. Die Routine merkt man ihr an; Politik-Lingo hat sie durchgespielt. Sie ist die Blaupause, die Muster-Grüne, die die nicht zu realitätsfern, aber auch nicht zu anbiedernd rüberkommt. Vom perfekt intonierten Glottisschlag beim stets korrekten Gendern (kein einziges Haspeln oder Versprechen – Respekt!), bis zum obligatorischen, etwas moralisierend vorgetragenen Plädoyer, die Erderhitzung endlich ernst zu nehmen, meistert sie jede Hürde beim linksliberalen Dressurreiten. 

Auch wenn BWL-Student*innen sie vermutlich für ihr WiPäd-Studium canceln werden – Elke Zimmer kann nur gewinnen, denn Elke Zimmer weiß, was sie tut! Oder zumindest weiß sie, wie sie tun muss um so rüberzukommen…

Alter weis(s)er Mann

Das hohe Bücherregal hinter Prof. Dr. Axel Wieczorek wirkt eindrucksvoll. Bestimmt ist er ein weiser Mann! Aber halt auch ein weißer Mann. Ein alter weißer Mann in der CDU, um genau zu sein. Welche Chancen er sich mit solchen Voraussetzungen beim Wahlkampf an der Uni ausrechnet bleibt fraglich. Schließlich dürfte er sich alleine schon qua Alter und Hautfarbe für einen nicht unerheblichen Teil der woken Avantgarde disqualifizieren. Dass hier seine boomeresken Ausschweifungen über illegalen Drogenhandeln und Organisierte Kriminalität nicht gerade hilfreich sind – geschenkt!

Einziger Pluspunkt des Abends für den ehemaligen Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen; dieser Seitenhieb an Frau Zimmer: „Das sind wesentlich mehr [Menschen, die noch ein Auto brauchen], als Sie Wähler haben!“

Der Krawallmacher

„Soll ich jetzt einfach mal frank und frei drauf los reden?“; „Jetzt zu den harten Fakten“. Ja, bitte mehr davon, Herr Dr. Weirauch! Mit einer Fülle an solchen zitierfähigen Haudrauf-Phrasen avanciert er sich in Windeseile zum Darling jedes Journalisten. Der SPD-Mann ist ein charmanter Krawallmacher in bester trumpscher Manier, jedoch weniger dümmlich als das Original. Ich kann mir gut vorstellen, dass er Wähler*innen gefällt die sich (auch im Jahre 2021 noch…) „einen starken Mann an der Spitze“ wünschen. Solange sie bei ihm landen, statt bei irgendwelchen Rechtspopulisten [sic!], kann man das eigentlich nur begrüßen.

Florist im Trainingsanzug

Florian Kußmann ist nicht so einer – so ein typischer FDPler. Vor der heutigen Podiumsdiskussion kannte ich ihn nur von (sehr) bunten Plakaten, die bei mir immer den Eindruck erwecken, dass jemand meinen Frühstückstee mit Meskalin-Kakteen angereichert haben muss (nächstes Mal bitte eine andere Agentur, liebe FDP). Er ist als Florist zwar selbstständig (classic FDP), aber kommt in seinem adidas-Trainingsanzug eigentlich ganz bodenständig rüber. Wenn er über „Technologieoffenheit“ spricht und danach fünfmal aufgrund von Verbindungsproblemen aus dem Meeting fliegt, ist das ironisch, und fast so witzig wie die Beschwerden im YouTube-Chat über die angeblich schlechte Qualität seiner Blumen. 

Kollontai statt Honecker 

„Das nenne ich Spitzenpersonal! #sed“, heißt es in einem Tweet des rechten Twitter-Troll-Accounts @Dr_Konservativ in Bezug auf Isabell Fuhrmann und ihren Beruf als BDSM-Sexualberaterin. Auch wenn man zugespitzte Vergleiche zu schätzen weiß, so muss man einsehen, dass das SED-Branding für Frau Fuhrmann, die Kandidatin der Partei Die Linke, einfach unpassend ist. Statt an Honecker erinnert sie viel mehr an Alexandra Kollontai, die berühmte sowjetische Diplomatin. Diese hatte aufgrund ihrer eher laxen Sexualmoral einige Differenzen mit Lenin. Sie setzte sich zudem für Abtreibungsrechte und Suppenküchen ein – eine waschechte Kämpferin und Idealistin also, aber auch ein Underdog. Diese Rolle steht Frau Fuhrmann deutlich besser, wenn man sie über die Bedrohung queerer Lebensformen oder Bildungsgerechtigkeit sprechen hört. Wenn schon plumpe Sozialismusvergleiche, dann doch bitte wenigstens treffende!

Falls ihr die ganze Diskussion nochmal anschauen wollt:

https://www.youtube.com/watch?v=2ly0DqG-sn8&feature=youtu.be&ab_channel=AStAUniMannheim

Daniel Siormanolakis, 3. März 2021

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.