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Ich schenke dir einen Löffel: Die Spoon Theory

Wenn meine Freunde mich fragen, ob ich ausgehen möchte, dann muss ich darüber nicht zwei Mal nachdenken: Selbstverständlich bin ich dabei. Denn normalerweise habe ich praktisch eine unbegrenzte Menge an Energie und bin (fast) immer bereit, etwas zu unternehmen. Ich bin jung, ich bin gesund.

Anders geht es Menschen mit chronischen und psychischen Krankheiten oder Behinderungen. Oft sieht man ihnen ihre Beeinträchtigungen nicht an, doch sie sind trotzdem immer da und stellen eine ständige Belastung für Betroffene dar. Doch wenn sie absagen, treffen sie immer wieder auf Unverständnis: „Du siehst doch gesund aus? Warum kommst du nicht mit?“.

Um dieses Dilemma erklären zu können, entwickelte Christine Miserandino, die selbst an Lupus leidet, die Spoon Theory. Nach dieser Theorie hat ein gesunder Mensch jeden Tag eine unbegrenzte Anzahl an Löffeln zur Verfügung, für einen kranken Menschen ist die Anzahl der Löffel jedoch limitiert. Die Löffel stehen dabei als Metapher für die persönliche Menge an Energie: Jede Aufgabe wie zum Beispiel Aufstehen, Duschen, zur Arbeit fahren oder Abendessen kochen kostet einen Löffel. An manchen Tagen habe man mehr Löffel, an anderen weniger, doch man müsse sich immer bewusst machen, dass man nur eine begrenzte Anzahl hat und diese sorgsam einteilen muss. Wenn am Ende des Tages kein Löffel mehr da ist, dann habe man im Zweifel nicht mehr die Möglichkeit, einen weiteren Löffel zu nutzen – und sei gezwungen, auf den Abend mit Freunden zu verzichten, obwohl es für andere vielleicht gar nicht offensichtlich ist, dass man an diesem Tag bereits alle Löffel verbraucht hat.

Die Spoon Theory hat mittlerweile viele Anhänger gefunden und wird oft genutzt, um die Situation, in der sich chronisch und psychisch Kranke sowie Menschen mit Behinderung befinden, zu erklären. Viele ihrer Anhänger bezeichnen sich sogar als Spoonies.

Nur, weil man eine Krankheit nicht sehen kann, heißt das nicht, dass sie nicht da ist. Die Spoon Theory kann uns helfen zu verstehen, warum Menschen, die chronisch oder psychisch krank sind oder mit Behinderungen leben, manchmal weniger oder keine Kraft mehr haben, auch, wenn man es ihnen nicht ansieht. Umso wichtiger ist es, wertzuschätzen, wenn uns jemand, der eine begrenzte Anzahl an Löffeln hat, einen Löffel „schenkt“, um Zeit mit uns zu verbringen.

Text: Paula Maurer

Bild: Aviavlad, Pixabay

Quellen:

https://butyoudontlooksick.com/articles/written-by-christine/the-spoon-theory/

https://www.dailylobo.com/article/2019/09/learning-about-spoon-theory

https://www.vdk.de/berlin-brandenburg/pages/76831/spoontheory?dscc=ok

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