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Ist Lego noch modern genug?

4,7 Millionen Steine werden pro Stunde in der Legofabrik in Billund (Dänemark) hergestellt. Eine für uns schwer vorstellbare Menge, die Legos Vormachtstellung untermauert. Die Ressourcen und Gewinne tragen zu einer hohen Produktvielfalt bei. Zu nennen wären Kooperationen mit „Star Wars“ oder „Harry Potter“, Filmereihen, die eine sehr hohe Popularität beinhalten. Verschiedenste Kundentypen werden von Lego inzwischen angesprochen. Begünstigt durch die Corona-Pandemie stieg der Umsatz um 13% auf 5,9 Milliarden Euro an. All das hört sich natürlich fantastisch an.

Es gibt durchaus viel positives über Lego, nichtsdestotrotz aber auch kritische Aspekte, die eventuell auch die Zukunft des Unternehmens betreffen könnten. Legosteine sind aus Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat (ABS) hergestellte Bausteine, bestehen also aus Plastikmaterial.  Dieser Plastikmüll kann in die Meere gelangen und  stellt so für die ganze Welt ein riesiges Problem dar.

Dieses Material ist durchaus widerstandsfähig, wie Forscher*innen aus Plymouth festgestellt haben. Ziel der Untersuchungen waren Legosteine, die im vergangenen Jahrzehnt an den Küsten Südwestenglands gefunden wurden und wurden auf ihre Zersetzung untersucht. Die Steine, die aus den 70-er und 80-er Jahren stammen wurden mit Steinen gleichen Alters verglichen, die aber aus Lagerbeständen heraus unbenutzt waren. Die Legos aus dem Meer wiesen Verwitterungsspuren auf, wie ausgebleichte Farbe und abgeschliffene Noppen. Insgesamt waren sie aber noch intakt. Das Ergebnis der Studien: Ein Legostein zersetzt sich je nach Bedingung zwischen 100 und 1300 Jahren. Einmal aufgelöst tragen die Steine ihren Teil zum steigenden Mikroplastik in unseren Meeren bei.

Klar bleibt allerdings auch, Legosteine sind bezüglich Mikroplastik nicht das Hauptproblem, dabei sollte vor allem auch an das Konsumentenverhalten appelliert werden, denn Legosteine sind kein Einwegplastik und generationenübergreifend wiederverwertbar. Auf der anderen Seite, wer könnte es erahnen, sind diese Steine in Einwegplastik verpackt.

Bis 2030 will Lego das erdölbasierte Plastik, welches derzeit verwendet wird, ersetzen. Dieser organische Stoff muss natürlich die gleichen Anforderungen erfüllen und wurde bisher noch nicht gefunden. Zumindest biegbare Teile wie Blätter werden bereits alternativ nachhaltig aus Zuckerohr produziert, was sich zwar nur auf einen kleinen Anteil beschränkt, aber trotzdem einen Fortschritt darstellt.

Lego hat sich in seiner Unternehmensgeschichte immer an neue Anforderungen angepasst, das Produkt blieb immer dasselbe. Auch die Digitalisierung stellte bisher kein Hindernis dar. Es existieren Videospiele und mittlerweile sind auch die aufzubauenden Produkte mit dem Smartphone verbunden. Lego fördert nachweislich die Feinmotorik, das räumliche Denken und Kreativität, dadurch bleibt es populär sowohl für Kinder, die sich mit ihrer Fantasie hier besser als vor dem Fernseher oder dem PC austoben können, als auch für so manche Erwachsene.

In der Öffentlichkeitsarbeit dagegen hat Lego immensen Verbesserungsbedarf. Zuerst wäre dabei die fragwürdige Kooperation mit dem Energiekonzern Shell zu nennen, welche hohe Wellen schlug. Die Kritik äußerte sich daran, dass Legofiguren mit dem Shell-Logo verkauft wurden. Dies wurde als Unterstützung am Vorhaben von Ölbohrungen des Konzerns vor Alaska zu deuten. Nicht gerade umweltfreundlich. Schließlich lief 2015 der Vertrag für die Kooperation aus.

2018 heimste Lego viel Kritik für seine Werbekampagne von Lego-Men ein, die sexistische Slogans wie: „So kompliziert wie eine Frau aber mit Bedienungsanleitung“ oder „4057 Teile das nennen wir gut bestückt“, beinhaltete. Schlussendlich kam es zu einem Rückzug der Kampagne und einer offiziellen Entschuldigung. Ein weiterer Fall ereignete sich 2019 in einem Lego-Friends Magazin, wo in einem Cartoon signalisiert wurde, dass Wissenschaft kein Feld für Frauen sei. Dass dies eventuell diskriminierend für Frauen sei und sie einem gewissen Stereotyp zuordnet, wurde zu spät erkannt. Seitens Firmenchef Christiansen hieß es, dass dies „unglücklich gelaufen sei und man die Problematik nicht rechtzeitig erkannt habe.“

Schlussendlich ist niemand frei von Fehlern, Legoprodukte verzeichnen zurecht Erfolg. Trotzdem muss sich das Unternehmen die Frage stellen, wie es sich zukünftig positionieren möchte, denn in der Vergangenheit hat die Marke durchaus vom positiven Image profitiert. Deswegen sollte man sich intensiv damit befassen, wie man sich öffentlich dementsprechend präsentiert und für grundlegende Werte wie die Gleichberechtigung der Frau auch einstehen. Gleiches gilt für das Thema Nachhaltigkeit.  Bisher hat es das Unternehmen geschafft sich immer wieder neu anzupassen, auch diesmal wird Lego diesbezüglich auf die Probe gestellt.

Bildquelle:

HighResLEGOHOUSETreeofCreativity1.jpg (933×1400) (ds.at)

Quellen:

Öfters fast pleite, jetzt verkauft Lego mehr Steine als je zuvor: Wie der Konzern das schafft – Unternehmen – derStandard.de › Wirtschaft

Legosteine können sich im Meer länger als tausend Jahre halten – Technik – derStandard.de › Wissen und Gesellschaft

Flut an Plastikspielzeug im Kinderzimmer: Ein Fluch – oder auch Segen? – International – derStandard.de › International

Greenpeace-Aktion zeigt Wirkung: Lego macht’s nicht mehr mit Shell – taz.de

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