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Kapitalismus: Gratwanderung zwischen Geld und Moral

Diskussion zwischen Prof. Achim Wambach, Janine Wissler, Roland Ulrich und Christian Felber | Mannheim Forum

Das Mannheim Forum ist ein jährlicher interdisziplinärer Kongress, welcher von Studenten der Universität Mannheim organisiert wird. Mit mehr als 500 Teilnehmern jedes Jahr ist es eine der größten Universitätskonferenzen in Deutschland. Teilnehmer haben die Möglichkeit sich Vorträge von Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft anzusehen, aber auch in Workshops mit diesen zu arbeiten. Es ist ebenfalls ein Ort um mit Unternehmen in Kontakt treten zu können. Dieses Jahr fand das Mannheim Forum online statt. Die Teilnehmer konnten über eine Website die unterschiedlichen Angebote nutzen.

Die einsteigende Veranstaltung dieses Jahr war eine Diskussion über den Kapitalismus und seine Folgen für Wohlstand, Innovation und den Finanzmarkt.
An der Diskussion waren Prof. Achim Wambach, Präsident des Leibniz-Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung, Janine Wissler, stellvertretende Vorsitzende der Partei „Die Linke“ auf Bundesebene, Roland Ullrich, CFA und Experte für Finanzpsychologie, und Christian Felber, international gefragter Referent und Autor mehrerer Wirtschaftsbestseller, beteiligt.

Die Teilnehmer hatten alle genug Zeit, ihre Meinungen zu sagen. Das Mannheim Forum bot während der Diskussion die Möglichkeit Fragen zu stellen. Diese wurden vom Moderator dann weitergeleitet.

Alles begann mit dem Kapitalismus. Dieser hat laut Janine Wissler zu einer Gesellschaft geführt, in welcher trotz Überfluss ein großer Teil unter Armut leidet. Die Ungleichheit kann nur durch Umverteilung beseitigt werden. Roland Ulrich sprach hier von profitierenden Vermögenden, welche nicht das Gemeinwohl steigern. Der Kapitalismus führe zu Kollateralschäden, sei aber immer noch eine bessere Alternative als der Kommunismus. Es müsse einen reformierten Kapitalismus geben, sagt er.

Aber wie sieht so ein reformierter Kapitalismus eigentlich aus? Christian Felber glaubt hierbei an das Konzept der Gemeinwohlbilanz. Diese soll den Einfluss von Unternehmen auf das Gemeinwohl der Gesellschaft bewerten. Unternehmen, welche positiv abschneiden, sollen Steuererleichterungen bekommen.

Die Umsetzung erfordert aber Forschung. Christian Felber kritisiert, dass diese nicht stattfindet, da Universitäten auf neo-klassische Ideen setzen. Ohne eine Veränderung der Forschungsziele kann sich nichts ändern.
Professor Achim Wambach bildete den Fels in der Brandung in dieser Diskussion. Statt sich auf die Nachteile und Probleme des Kapitalismus zu fokussieren, richtete sich sein Fokus auf die Vorteile. Niedrigere Armut, höhere Lebenserwartungen und viele Innovationen, welche das Leben erleichtern.

Nur durch den Wettbewerb konnten zum Beispiel die Impfungen für Covid-19 so schnell entwickelt werden.
Janine Wissler merkt hier an, dass es riesige Summen an staatlichen Fördergelder gab, welche die Entwicklung unterstützten. Ganz abgesehen von der notwendigen Grundlagenforschung, welche auch staatlich finanziert wird.

Doch auch Achim Wambach glaubt nicht an einen immer funktionierenden Markt. Er hält die CO2- Bepreisung für notwendig. Für ihn ist es der einzig richtige Weg um gegen die Klimakrise vorzugehen. Die Anreize für klimafreundlichere Produktion sollten dadurch geschaffen werden. Er nennt hierbei den Markt für Zertifikate in Europa und Deutschland. Verbote sind für ihn keine Lösung, da sie die individuellen Bedürfnisse der Menschen vergessen. Jeder soll selbst entscheiden, ob er lieber ein SUV fährt oder einmal im Jahr nach Mallorca fliegt. (Ohne einen CO2-Preis in Deutschland wurde Gas durch Kohle verdrängt. In anderen Ländern ist durch eine Bepreisung das Gegenteil passiert.) Aber er macht deutlich, dass Deutschland oder gar Europa das Klimaproblem nicht alleine lösen können. Zusammen mit den USA und China könnte man aber genug Druck auf den Rest der Welt auslösen.

Für die Linke Janine Wissler reichen CO2-Zertifikate nicht aus. Unternehmen könnten sich einfach freikaufen, ohne etwas verändern zu müssen. Sie fordert striktere Maßnahmen wie Verbote oder Grenzwerte, um Menschen und Unternehmen in ihren Entscheidungen zu leiten. Außerdem fordert sie autofreie Innenstädte und kostenlosen ÖPNV.

Christian Felber spricht auch von einer notwendigen Veränderung der Klimapolitik. Er sieht die Lösung aber in einer Art Bioverbrauchsrecht für einzelne Menschen. Niemand darf so viel CO2 verbrauchen, sodass der Rest der Welt leidet.

Das letzte Thema ist die Börse. Doch wer handelt an der Börse? Ein egoistisches, von Angst und Gier getriebenes Wesen? So denken zumindest Achim Wambach und Roland Ulrich, schließlich hat sich der Mensch in den letzten paar hundert Jahren nicht geändert.
Christian Felber glaubt, dass diese Eigenschaften erlernt sind. Wir können als Gesellschaft entscheiden, wo wir den Fokus legen. Gene zwingen uns nicht zu Gier.

Roland Ulrich hat in der Börse seinen Expertenbereich gefunden. Er beschreibt sie als gewinnmaximierend und sieht, dass sie einige Menschen zurücklässt, während andere immer reicher werden. Die Beträge landen nur bei den Großen, während ein Nullzins das normale Sparen verhindert.
Die junge Generation wehre sich aber, wie man an Robin Hood sehen kann, dessen Kunden einen Hedgefonds zum Fall brachten. Er spricht von der Notwendigkeit, den Menschen beizubringen richtig zu investieren. Hierbei meint er nicht alles auf eine Aktie zu setzen, sondern sein Vermögen auf viele unterschiedliche Pferde zu setzen, also seine Anlagen zu diversifizieren, um das Risiko zu verringern.
Heute sieht er das Risiko einer Blase wie bei der Dotcom-Blase am Anfang des 21. Jahrhunderts. Viele junge Menschen steigen in das Aktiengeschäft mit Hilfe von günstigen Apps wie Robin Hood oder Trade Republic, ein. Die Gefahr entstehe, wenn diese Menschen wieder den Aktienmarkt verlassen. Er warnt hierbei, dass der Aktienmarkt immer von Schwankungen geprägt ist, aber der langfristige Trend entscheidend ist. Man sollte nicht zu schnell sein Geld abziehen.

Diskussionen über den Kapitalismus haben die Tendenz in festgefahrenen Meinungen sich zu verlieren. Ist der Kapitalismus schlecht oder gut ist häufig gar nicht die eigentliche Frage. Das System wird sich nicht von heute auf morgen ändern. Und wer das will, der nimmt die unkontrollierten Folgen in Kauf. Eigentlich geht es in diesen Diskussionen um etwas anderes. Wie kann der Kapitalismus geändert werden, um seine Probleme wie Umweltzerstörung oder Ungleichheit auszugleichen? Reformideen gibt es, wie die besprochene Gemeinwohlbilanz oder auch C02- Zertifikate. Die Umsetzung ist aber nochmal eine ganz andere Frage, in der es Forschung und Mut der Politik braucht.

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