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Mahatma Gandhi – Die „große Seele“ mit nicht ganz so weißem Gewand

Ein gekonnter Imitator der Nächstenliebe und Humanität

„Freiheit war niemals gleichbedeutend mit einem Freibrief für Willkür.“ Welch eine Ironie, dass dieses Zitat gerade von einem Mann stammt, der gesagt haben soll, dass Frauen selbst schuld für die an ihnen ausgeübten Vergewaltigungstaten sind, da Männer ihre sexuellen Triebe nicht kontrollieren könnten. Ja, ihr habt richtig gehört. Frauen seien selbst verantwortlich für die sexuellen Übergriffe von Männern. Aber um welche Person handelt es sich hierbei, die solch läppische Äußerungen von sich gibt? Wer steckt hinter den abstrusen, abwegigen und anstößigen Aussagen? Mohandas Karamchand Gandhi.

Noch nicht lange besteht unter den jüngeren Generationen sowie unter Historiker*innen eine Zurückweisung der heroischen Darstellung großer historischer Persönlichkeiten, deren Heldentum in Wahrheit anzuzweifeln ist.  Abraham Lincoln, ein Mann, dem zu Ehren zahlreiche Statuen errichtet worden sind, und der in Lehrbüchern als der Gegner der Sklaverei präsentiert wird, könnte leicht als Antirassist wahrgenommen werden; wenn man übersieht, dass er an die Überlegenheit der „weißen Rasse“ geglaubt und die Abschaffung der Sklaverei lediglich aus kriegstaktischen Gründen befürwortet hat. Auch Kant und Hegel, die den Stolz der deutschen Philosophie verkörpern, werden rassistische Gedankenzüge vorgeworfen. Und, was seit Jahrzehnten verborgen blieb und sich nun offenbart hat, ist, dass Mohandas Karamchand Gandhi, der Mann, der als Mahatma Gandhi weltweit noch immer sinntragend für Gerechtigkeit, Harmonie und Frieden steht, ein überzeugter Sexist und Rassist gewesen ist. Gebührt ihn also immer noch der Titel „Mahatma“, der für „große Seele“ steht?

Gandhi, der von 1869 bis 1948 lebte, ist heute rundum bekannt als Freiheitskämpfer Indiens, der den gewaltlosen Widerstand befürwortete und unterstützte. Man kann nicht leugnen, dass er entscheidend dazu beigetragen hat, Indien zur Unabhängigkeit von Großbritannien zu führen und die rassische Unterdrückung von Inder*innen in Südafrika zu bekämpfen. Bis heute dient sein Akt der Inspiration für andere friedliche Protestbewegungen. Dafür gebührt ihm Lob und Anerkennung. Doch all diese guten Taten können nicht sein abscheuliches Verhalten gegenüber Schwarzen und Frauen rechtfertigen. Steht die Verachtung schwarzer Menschen für Humanität? Steht die Herabwürdigung des weiblichen Geschlechts für Gerechtigkeit? Steht die Misshandlung der eigenen Frau für Barmherzigkeit? Nein. Worte wie Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Humanität dürften heute eigentlich nicht mehr mit Gandhi in Verbindung gebracht werden.

Gandhi setzte sich Ende des 19. Jahrhunderts in Südafrika für die Gleichberechtigung der Inder*innen ein und schuf dabei Methoden des gewaltlosen, politischen Kampfes. Das mag zu Beginn laudabel klingen. Jedoch wird oft der Fakt übersehen, dass Gandhi sich nur für die Rechte der indischen Bevölkerung in Südafrika eingesetzt hat. Mehreren Quellen nach hat er sich gegen Schwarze geäußert, was sogar sein Enkel, Rajmohan Gandhi, einst bestätigte. Er sagte, dass sein Großvater teilweise ignorant war und Vorurteile gegenüber Schwarze zu seiner Zeit in Südafrika hegte. Dies würde mit den Anschuldigungen an Gandhi übereinstimmen, die darauf hindeuten, dass er schwarze Menschen verachtet hat. Für ihn seien schwarze Südafrikaner kaum als Menschen anzusehen gewesen, weshalb er sich nach seinem Gefängnisaufenthalt 1908 darüber beschwert habe, dass Inder*innen auf einer Stufe mit den schwarzen und nicht den weißen Gefangenen standen. Er habe kritisiert, dass Inder*innen „nur wenig besser angesehen waren als die wilden Ureinwohner*innen Afrikas – wenn überhaupt“, weshalb er gefordert habe, dass „die weiße Rasse die überlegenere Rasse in Südafrika sein soll“. Diese Aussagen haben einige südafrikanische Aktivisten enthüllt, wie auch zwei südafrikanische Wissenschaftler. Darüber hinaus erschien 2011 das Buch „Great Soul: Mahatma Gandhi and his Struggle with India“, welches bestätigt, dass Gandhi in seinen frühen Jahren in Südafrika abfällige Bemerkungen über Schwarzafrikaner*innen machte.

Der ehemalige Morallehrer habe in Südafrika allerdings nicht nur seine rassistische Einstellung gegenüber Schwarze zur Schau gestellt, sondern auch seine sexistische Haltung gegenüber Frauen. Zwei Frauen soll er die Haare abgeschnitten haben, damit sie nicht mehr sexuell attraktiv sind, nachdem sie Opfer von sexuellen Übergriffen eines Mannes wurden. Gandhi habe gesagt, dass eine Frau kein Mensch mehr ist, sobald sie vergewaltigt wurde, weshalb Väter wohl das Recht hätten, ihre vergewaltigten Töchter zu töten. Männer würden keine Schuld an den Vergewaltigungstaten tragen, da sie ihre Triebe nicht kontrollieren könnten, wobei Frauen gleichzeitig mitverantwortlich für diese Triebe seien. Die männliche Libido sei Gandhis Meinung nach unkontrollierbar und so auch seine eigene. So sei es dazu gekommen, dass er Frauen und Minderjährige, darunter auch seine Großnichte, nutzte, um seine Abstinenz zu testen. Nackt, ohne seine Spielpüppchen zu berühren, habe er neben ihnen geschlafen und versucht, nicht erregt zu werden.

In jeglichen Aspekten soll der indische Freiheitskämpfer das weibliche Geschlecht verabscheut haben, was er auch an seiner Frau Kasturba ausgelassen habe, sowohl physisch als auch mental. Folgende Dinge habe er über sie gesagt: „Ich kann ihren Blick nicht ertragen“, „Manchmal sieht sie mich an wie eine sanftmütige Kuh. Und sie gibt einem ein Gefühl, wie es eine Kuh manchmal vermag, als würde sie mir in ihrer eigenen dümmlichen Art etwas sagen wollen“. 1944 starb Kasturba an einer Lungenkrankheit, nachdem ihr Ehemann ihr verboten habe, Penicillin einzunehmen, mit der Begründung, dass das neue Medikament eine fremdartige Substanz sei, die nicht für ihren Körper bestimmt ist. Er selbst nahm Jahre später, als er an Malaria erkrankte, Chinin ein, weil er möglicherweise erkannte, dass er einen beachtlichen Fehler gemacht hat. 

Sein Ekel gegenüber Frauen sei so weit gegangen sein, dass Gandhi behauptete, dass die Menstruation der Frau eine Manifestation der Verzerrung der eigenen Seele durch ihre Sexualität ist. Die monatliche Blutung der Frau sei also ein Zeichen für die Verunreinigung der Seele. Ausnahmslos habe der Frauenhasser versucht, das weibliche Geschlecht niederzutreten. Dabei habe er nicht davor zurückgeschreckt, obskure und wirre Aussagen von sich zu geben, die bereits Verschwörungstheorien von heutigen Querdenkern ähneln. Michael Connellan, Schriftsteller und Berater des Schumacher Centers, einer NGO, die sich mit ländlicher indischer Armut befasst, fasst dies am besten zusammen: “Gandhi’s genius was to realise the great power of non-violent political revolution. But the violence of his thoughts towards women has contributed to countless honour killings and immeasurable suffering. Remember, there’s no such thing as a saint.”

Gandhi war ein perverser Sexist und Rassist, der die Menschen mit seinen Vorstellungen und Idealen manipulierte. Er indoktrinierte seine Anhänger*innen regelrecht, behandelte Frauen wie Fußabtreter und äußerte sich abfällig über Schwarze. Waren Gandhis Gerechtigkeitsüberzeugungen tatsächlich inklusiv gewesen oder galten sie nur den Personen seinesgleichen? Es scheint so, als hätte er den Wert des einzelnen Menschen abhängig von Farbe und Geschlecht gemacht, nicht anders als Rassisten und Sexisten, wie wir sie heute kennen und definieren. Der Mann, der einstig für Frieden und Gerechtigkeit stand, stellt sich nun als gekonnter Imitator der Nächstenliebe und Humanität heraus. Er schwindelte den Menschen vor, Verfechter einer gerechten und friedlichen Welt zu sein, sah Frauen und Schwarze aber nicht als gleichwertig an.

Wie die «BBC» kürzlich berichtete, hat eine Petition in der britischen Stadt Leicester 5000 Unterschriften gesammelt, um eine Statue Gandhis zu entfernen“. Es ist an der Zeit, den Menschen die Glorie abzutun, denen keine Ehre gebührt, denn er selbst sagte einst: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“

Quellen:

https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/weltweit-fallen-statuen-folgt-nun-die-gandhi-skulptur-in-genf-ld.1239244

https://www.geo.de/geolino/mensch/3461-rtkl-weltveraenderer-mahatma-gandhi

https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/debatte-um-gandhi-biografie-das-geschreibsel-ist-pervers-a-754977.html

https://www.theguardian.com/commentisfree/2010/jan/27/mohandas-gandhi-women-india

https://www.vice.com/de/article/mv4wxp/gandhi-war-ein-rassist-und-zwang-maedchen-mit-ihm-im-bett-zu-schlafen-765

https://en.wikipedia.org/wiki/Great_Soul:_Mahatma_Gandhi_and_His_Struggle_with_India

https://de.wikipedia.org/wiki/Mohandas_Karamchand_Gandhi

Bild: yoga.Zeit

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