Die zweite Welle der Frauenbewegungen der 1970er und 80er Jahre führten in vielen Städten, so auch in Mannheim, zur Entstehung neuer feministischer Räume. Frauen bekamen endlich Orte, an denen sie sich über politische und gesellschaftliche Themen austauschen konnten, unabhängig von ihren Familien und ohne für ihre Ansichten verurteilt zu werden. Im Mittelpunkt standen unter anderem Themen wie die körperliche Selbstbestimmung, Gewalt gegen Frauen, oder etwa die Anerkennung von Care-Arbeit. Neben der Schaffung neuer Räume, spielte in dieser Zeit auch feministischer Aktivismus eine große Rolle.
Mannheims ältestes Beispiel für einen solchen Raum ist der 1978 gegründete, Frauenbuchladen Xanthippe. Der Name ist kein Zufall, denn mit einer Xanthippe wird sprichwörtlich ein hysterisches Weib bekannt. Die Mitbegründerin der Buchhandlung, Regine Elsässer, sagt über die Namenswahl: „Zänkisch sein ist der erste Weg zum Widerstand“. Widerstand ist ein gutes Stichwort, denn der Frauenbuchladen entstand aus der Idee heraus Literatur von Frauen und über feministische Themen sichtbar zu machen, obwohl diese sonst kaum präsent war. Zugleich sollte Xanthippe aber auch ein Ort sein an dem Frauen sich informieren, austauschen oder vernetzen konnten.
Von Anfang an war Xanthippe daher mehr als nur ein Geschäft für Bücher. Dort fanden Lesungen, Diskussionen und viele weitere Veranstaltungen statt, bei denen gesellschaftliche und politische Themen aus feministischer Perspektive behandelt werden konnten. Ganz nach dem Motto: „Wir Frauen zusammen sind stark“, wie die Historikerin Ilona Scheidle sagte.
Darüber hinaus diente Xanthippe als Ausgangspunkt für neue Initiativen und Gruppen innerhalb der Frauenbewegungen, in Mannheim. Ein Beispiel dafür war ein Frauen Café. Dieses hatte seinen Standort zwei Häuser vom Buchladen Xanthippe entfernt, und wurde lange von dem Frauenbuchladen mitbetrieben, wie die Mitbegründerin Regine Elsässer berichtete. Ebenso sei auch das Frauenhaus in Mannheim aus dem Frauenbuchladen heraus gegründet worden, wie Frau Elsässer mitteilt. Frauen lernten sich in der Buchhandlung kennen, tauschten Ideen aus und planten gemeinsame Projekte. In diesem Sinne erfüllt der Buchladen seine wichtige Funktion als sogenannter „dritter Ort“, bis heute. Damit ist ein Raum gemeint, der weder das eigene Zuhause noch der Arbeitsplatz ist, sondern ein Ort, and dem Menschen zusammenkommen und ohne Hierarchie Gemeinschaft erleben können. Historikerin Carina Neubauer stellt fest, dass dritte Räume wichtig für Demokratie seien, um Vielfalt und Meinungsfreiheit zu bewahren.
Der Frauenbuchladen Xanthippe zeigt damit beispielhaft, welche Bedeutung feministische Räume für soziale Bewegungen haben können. Er verbindet Literatur mit politischem Engagement und übernahm nicht nur damals, eine wichtige Rolle in der Mannheimer Frauenbewegung. Denn auch heute, ist Feminismus noch ein relevantes Thema, weshalb der Buchladen weiterhin besteht.