Kultur

Shopping Queen Mannheim – Ein Jahr danach…

Den knallpinken Shopping Queen Bus in der eigenen Stadt zu sichten lässt die Herzen aller modebewussten Mädels höherschlagen, ich glaube da sind wir uns einig. Die meisten von uns haben schon einige Shopping Queen-Marathon-Samstage hinter sich und verfolgen eifrig, wie sich fünf Frauen Woche für Woche um die Krone streiten.
Hat sich nicht jede von uns schon einmal gefragt, wie es wäre von Guido Maria Kretschmar höchstpersönlich beraten und bewertet zu werden? Die Mannheimerinnen Tatjana und Angelique Hilbert haben sich dem „Was wäre wenn“ gestellt und dies einfach in die Tat umgesetzt.
Vor genau einem Jahr ist die ehemalige Studentin der Uni Mannheim Tatjana als Kandidatin bei Shopping Queen angetreten und hat ihre Zwillingsschwester Angelique als Shoppingbegleitung mitgenommen.
Jetzt, zum einjährigen Jubiläum von Shopping Queen in Mannheim und Heidelberg, habe ich mich mit Tatjana getroffen und erfahren, wie dieses Erlebnis ihr Leben geprägt hat.

uni[ma]gazin: Ich muss sagen, es ist ganz schön mutig sich und seinen Sinn für Mode in einer Fernseh-Show, mit täglich ca. 1,4 Mio. Zuschauern, zu beweisen. Tatjana, was hat dich dazu bewegt diesen Schritt zu wagen und dich zu bewerben?

Also im Nachhinein finde ich es auch sehr mutig! Ich habe mich zwei Jahre zuvor schon beworben, da war ich krank und habe eine Woche lang nur Shopping Queen geguckt. Wenn man das so intensiv guckt, ist man in einer gewissen Stimmung und denkt sich, da will ich mitmachen! Also habe ich mich einfach just for fun beworben. Allerdings kam nie wieder was und ich dachte mir, gut du hast es wenigstens versucht. Zwei Jahre danach haben sie mich dann doch angeschrieben und gefragt, ob ich noch Interesse habe und mir wurde dann ein Fragebogen zugeschickt, den ich ausfüllen musste. Es ging alles Schlag auf Schlag, ich wurde angerufen und mir wurde mitgeteilt, dass ich in der engeren Auswahl bin. Dann gab es noch ein Telefoninterview und es ist jemand zu mir nach Hause gekommen, um meinen Kleiderschrank anzugucken und mich über meine Shopping Gewohnheiten auszufragen, aber das war alles ziemlich locker.
Für mich war das alles einfach nur Spaß und ich wollte gucken, wie weit ich denn komme.

Was ich mich persönlich schon oft gefragt habe ist, inwiefern man sich als Kandidatin den Vorschriften der Produktion fügen muss, gerade in Bezug auf die berühmtberüchtigte „Wohnungstour“. Dabei gibt man ja einiges von seinem Privatleben preis. Wie seid ihr damit umgegangen?

Es geht alles ziemlich streng zu. Ich musste einen Vertrag unterschreiben und mir wurde untersagt bis zur TV-Ausstrahlung über die Produktion, die Teilnehmer und das Motto zu reden. Was die Wohnungstour betrifft, da hatte ich Glück, weil ich donnerstags dran war und ich alles schon ein bisschen herrichten konnte. Es ist allerdings so, dass du als Kandidatin bestimmst was gezeigt wird und was nicht. Es gibt auch Schubladen die überhaupt nicht angefasst werden dürfen. Also alles was man im Fernsehen sieht, wollen die Kandidaten auch zeigen. Da wird man echt geschützt, sodass man nicht zu viel preisgibt, was mich selbst ein bisschen überrascht hat.

Im Fernsehen sieht man ja nur die bearbeitete, geschnittene Version des eigentlichen Drehs. Wie sieht so ein typischer Drehtag aus und was geschieht hinter den Kulissen?

Also der erste Tag ist etwas anders, aber der Rest der Woche verläuft immer gleich. Man fängt so um 9 Uhr morgens an und es wird gefilmt wie man ankommt. Das ist im Fernsehen eine Sache von 20 Sekunden, aber wir standen dafür 2 Stunden in der Kälte rum! Nach dem zweiten Tag hatte ich dann Flauschi-Socken dabei und immer, wenn gerade nicht gedreht wurde, habe ich die Schuhe aus und die Socken schnell angezogen.
Dann wird gefilmt wie man in die Wohnung kommt und sich gegenseitig begrüßt. Danach gibt es immer einen sogenannten Kaffeeklatsch und man muss der Tageskandidatin Fragen stellen, wie „Hast du schon einen Plan? Wo gehst du hin? Wer ist deine Shopping Begleitung?“ und so weiter. Dann geht sie shoppen und die anderen Kandidatinnen drehen in ihrer Wohnung weiter.

Wie lautete denn euer Motto und wie gut konntest du es umsetzen?

Das Mott war „Jeder will Leder – Kombiniere ein Lederteil deiner Wahl“. Es durfte aber kein Accessoire wie Handschuhe oder Tasche sein, sondern ein Kleidungsstück. Am Anfang dachte ich, das Motto ist schwierig, weil man Leder gleich mit Fetisch in Verbindung bringt. Aber dann ist mir aufgefallen, dass gerade Saison für Leder ist und es hat auch jede Kandidatin nur ein Lederteil kombiniert und ist nicht komplett in Leder und roten Lippen aufgetreten. Also im Endeffekt war es eher ein einfaches Motto.

Man sieht immer wieder Kandidatinnen, die sich mit der vorgegebenen Zeit und dem Budget total verschätzen. Plötzlich erscheinen 4 Stunden Zeit gar nicht mehr so lang und 500 € gar nicht mehr so viel. Wie bist du mit Zeit und Geld zurechtgekommen?

Meine Shopping Tour war total chaotisch! Ich habe circa 1,5 Stunden bei Appelrath und Cüpper verbracht und nichts gefunden. In einer kleinen Boutique gab es endlich was Passendes und dann war ich auch etwas entspannter. Aber generell ist das shoppen sehr stressig, weil in der Stadt einfach so viele Menschen sind und wenn man dann mit dem Kamerateam hin und her rennt, flippen alle total aus. Besonders schlimm ist es, wenn man in kleineren Läden dreht, wo es sowieso schon eng genug ist, aber plötzlich ganz viele Menschen reinströmen, weil sie ins Fernsehen wollen.
Außerdem werden die vier Stunden an einem Stück gedreht und dabei wird sehr streng auf die Zeit geachtet. Was viele aber nicht wissen ist, dass sogenannte Schnittbilder gedreht werden, die von der Zeit abgehen. Das heißt, dass alles was man angefasst oder anprobiert hat noch mal gefilmt wird, weil Guido dann im Fernsehen eingeblendet wird und Kommentare dazu abgibt.
Das Geld habe ich komplett verprasst, ich glaube es waren noch ungefähr 1€ Trinkgeld für meinen Frisör übrig! Am Anfang haben wir aus Frust eine Kette gekauft, die wir am Ende wieder umgetauscht haben, sonst hätte das Geld für die Schuhe nicht mehr gereicht.
Man darf auch nur in bestimmten Geschäften drehen, die meisten großen Modeketten wie H&M machen gar nicht mit.

Guido Maria Kretschmar einmal im Leben zu treffen ist der Traum aller Mädels. So sympathisch kann meiner Meinung nach niemand kritisieren. Wie war es ihn zu treffen und wie hat er dein Outfit bewertet

Guido ist echt süß! Unser Pech war aber, dass er direkt nach einem langen Flug zu uns ins Studio musste und gleich 10 Stunden am Stück gedreht hat. Er hat es sich zwar überhaupt nicht anmerken lassen aber man hat schon gemerkt, dass er nur noch Heim will. Was man ihm aber überhaupt nicht verübeln kann! Er hat sich trotzdem Zeit genommen für uns, auch nachdem die Kameras aus waren und hat auch viel Persönliches zu uns gesagt und uns in den Arm genommen.

Tatjana mit Guido

Tatjana mit Guido

Während eine Kandidatin shoppen geht, nehmen ihr Mitstreiterinnen ihre Wohnung auseinander. Oft wird über den Kleiderschrank und Klamottenstil gelästert. Das sieht man als Kandidatin selbst ja erst bei der TV-Ausstrahlung. Gab es bei euch solche Probleme?

Wir haben uns eigentlich alle super gut verstanden und waren alle sehr ehrlich zueinander. Selbst wenn man mal was Negatives vor der Kamera gesagt hat, war das nicht böse gemeint und wir haben uns das auch gleich erzählt. Ich meine Geschmäcker sind verschieden! Natürlich werden die negativen Kommentare hervorgehoben im Fernsehen, die Zuschauer wollen ja nicht nur Harmonie pur sehen. Aber davon haben wir uns nicht täuschen lassen.

Jetzt ist das alles schon ein Jahr her. Wie hat diese Erfahrung euer Leben beeinflusst? Werdet ihr auf der Straße erkannt?

Dadurch dass ich nebenbei im Benjamin’s Diner arbeite werde ich oft erkannt. Ich komme mir aber echt immer total bescheuert vor, denn meiner Meinung nach bin ich nicht berühmt! Man war halt einmal im Fernsehen und das wars. Mir ist das eher unangenehm wenn die ganze Aufmerksamkeit auf mich gerichtet ist. Was aber toll ist, dass Shopping Queen ein Format ist, mit dem sich echt viele Frauen identifizieren können und sich auch vorstellen können dort mit zu machen. Außerdem ist es kein Trash-Format, deswegen freuen sich die Leute, wenn sie mich sehen. Ein paar wollten ein Foto mit mir machen aber die Mehrheit will einfach wissen wie es so hinter den Kulissen ist. Gestern, an Halloween wurde ich auch wiedererkannt, obwohl ich verkleidet war. Und ich werde von sehr vielen Männern erkannt, was mich ehrlich gesagt wundert. Aber die wurden natürlich alle von ihrer Freundin gezwungen die Sendung zu schauen! Meine Kollegen bei der Arbeit machen sich oft darüber lustig und haben die Sendung auch auf dem riesigen Fernseher übertragen. Die lieben es mich damit aufzuziehen!

Was haben deine Freunde und Familie zu dem Fernsehauftritt gesagt?

Tatjana: Die haben sich natürlich alle gefreut. Meine Mutti ist total ausgeflippt, die hat es natürlich allen erzählt. Und die haben es wieder weitererzählt. Manchmal werde ich dann von Leuten angesprochen, die ich gar nicht kenne, die es dann von jemandem erzählt bekommen haben, der mich über 5 Ecken kennt.

Anfang Oktober 2015 wurde erneut der Shopping Queen Bus in Mannheim und Heidelberg gesichtet. Ihr habt anscheinend einen Eindruck gemacht! Kannst du den zukünftigen Teilnehmerinnen ein paar Tipps geben?

Das Wichtigste ist, dass man sich so zeigt wie man wirklich ist. Die Leute merken immer, wenn man sich verstellt. Bei einer Kandidatin hatten wir so einen Fall, und da haben die Leute echt böse Sachen in Facebook geschrieben. Man soll sich einfach selbst treu bleiben.
Außerdem ist es echt anstrengend, jeden Tag 10 Stunden nur über Mode zu reden, obwohl ich Mode über alles liebe, aber es ist einfach auch sehr oberflächlich.
Man sollte sich auch wirklich sicher sein, dass man im Fernsehen erkannt werden will, wie gesagt, durch social media kann man echt heftig fertiggemacht werden. Ich hatte Glück, zu mir wurde nur Positives gesagt, aber wie schnell geht es, dass man als Zicke oder Furie dargestellt wird. Klar hatte ich vorher Angst, dass so etwas passiert aber gerade wenn man eine so enge Vertraute als Shopping Begleitung dabei hat, wie ich meine Zwillingsschwester, kann man sich gar nicht verstellen. Die Leute waren richtig goldig, viele haben gesagt, du und deine Schwester, bleibt so wie ihr seid!

Vielen Dank für das Interview und den Einblick in dein Erlebnis mit Guido Maria Kretschmar.

Eine Frage hätte ich aber noch: Wenn du könntest, würdest du es noch einmal machen?

Also bei Shopping Queen würde ich immer wieder mitmachen, weil ich mich einfach auch mit dem ganzen Team gut verstanden habe. Aber das Fernsehen generell ist nichts für mich. Es gibt immer Neider und Leute die es einem nicht gönnen und ich nehme mir das leider viel zu sehr zu Herzen.

Interview: Sophia Zang

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.