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Society’s Cage?- Wie Geschlechterrollen unser Leben beeinflussen

Vortrag von Christoph May

Stephanie und Christoph May gründeten 2016 gemeinsam das Institut für kritische Männerforschung. Christoph May hatte ein Leben lang in einer Männer-dominierten Welt gelebt. Er las Bücher von Männern, sah Filme von Männern und sprühte Graffities an Berliner Hauswände mit anderen Männern. Stephanie May zeigte ihm, wie die Welt wirklich ist. Sie schob den Schleier der Unsichtbarkeit zur Seite und eröffnete ihm einen Blick auf Diskriminierung und Sexismus, aber auch auf neue Perspektiven und Erfahrungen, welche sein Leben bereicherten.

Christoph May spricht begeistert von dieser Welt, die sie ihm aufzeigte. Die Erfahrungen, die er dank der Bücher, Filme und Serien von Frauen machen durfte. Er empfiehlt jedem Mann, es ihm gleich zu tun, einfach weil es unendlich bereichernd ist. Die Jahre davor nennt er vergeudet.
Seine Forschung dreht sich vor allem darum Strukturen zu finden, in denen Männer den größten und vor allem dominanten Teil ausmachen. Er nennt sie Männerbünde. Die Bundeswehr besteht zu 88% aus Männern. Die deutsche Bundespolizei zu 84%. Für Christoph May ist es deswegen kein Wunder, dass diese Organisationen von Diskriminierung durchseucht sind. Ohne die Männerdominanz gebe es laut Christoph May keine Diskriminierung.

Im Vortrag zeigt er nun eine überwältigende Menge von Männer-dominierten Bereichen. Diese sind auch häufig mit Diskriminierung und Missbrauch verbunden. Neben den oben genannten nennt er die Proud Boys aus Amerika, Donald Trumps persönliche Boy Band, die Boy Scouts, welche immer wieder Missbrauchsfälle melden, sowie die Burschenschaften. In allen Männerbünden entwickle sich toxische Männlichkeit und besonders in jungen Jahren können diese Bünde lang anhaltende Verhaltensstrukturen zur Folge haben. Hierbei warnt er Eltern davor, ihre Kinder in Fußballvereine zu stecken, da sie dort mit Sicherheit toxische Verhaltensmuster lernen würden.

80% aller deutschen Unternehmen verzichten auf weibliches Führungspersonal, 41 von 50 US Staaten haben männliche Gouverneure, 91% der Gemeinden in Deutschland werden von Männern geführt, 75% der Universitäten werden von Männern geleitet, 93% der Online-Experten sind Männer, 78% der TV-Experten, 21,7% der 100 meist gehörten Songs werden von Frauen gesungen, nur 2% wurden von Frauen produziert, 70% der Festivals sind männlich dominierte Lineups und in Deutschland werden fast alle Start-Ups von Männern gegründet. Außerdem werden Frauen im Gaming diskriminiert, sodass sie in Voicechats nicht reden können ohne dafür Hass-Kommentare zu ernten. Im Sport gibt es diese Diskriminierung ebenfalls. Christoph May wäre es am liebsten, wenn es keinen Frauen- und Männersport gebe. Also keinen, wo der Sport in Frauen und Männer unterteilt wird. Wie das ganze aussehen soll, sagt er aber nicht.

Forschung ist immer noch maßgeblich männlich, 75% der Universitäten werden von Männern geleitet. Aber die Forschungsbeteiligung von Frauen hat sich verbessert. Statt rund 29% um die 2000er-Jahre herum, sind es mittlerweile 39%. Christoph May beschreibt das als wichtig, da eine Männer dominierte, im schlimmsten Fall von weißen Männern dominierte, Forschungswelt nicht alle Perspektiven mit aufnehmen kann. Objektivität nennt er hierbei den Traum des weißen Mannes. Sie existiere nicht in der Forschung und man werde immer einen Bias haben. Deswegen sei es wichtig eine Forschung zu ermöglichen, welche von Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven geprägt ist.

Doch was können wir tun? Am wichtigsten ist es in seinen Augen, die Männerbünde aufzubrechen. Dies bezieht er auf den öffentlichen Raum, aber er meint auch in unserem privatem Umfeld. Dies führt zu neuen Perspektiven und vor allem zum verschwinden von „hypermaskulinem Schwachsinn“. Dies und mehr bringt er auch den Teilnehmern seines Männerworkshops bei.

Christoph May deckt in seinem Vortrag viele Männer dominierte Bereiche im öffentlichen und privaten Leben auf. In seiner Interpretation der Probleme schlägt er aber vielleicht etwas über die Stränge. Diskriminierung würde vermutlich nicht komplett verschwinden, wenn es keine Männerbünde mehr gäbe. Das Zerschlagen dieser Männerbünde muss aber ein Ziel sein, denn diese sind Ursache und Symptom einer sexistischen Gesellschaft.

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