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Zwischen Realität und Fiktion: Wie Serien unsere Wahrnehmung beeinflussen

Am 9. April bereitet eine Nachricht vielen Kummer: Prinz Philip, der Duke of Edinburgh, ist im Alter von 99 Jahren gestorben.

Der in Griechenland geborene Prinz Philip war für 73 Jahre der Prinzgemahl von Königin Elisabeth II. Die Beziehung der beiden wird – wie in dem gezeigten Bild zu sehen ist – auch in der erfolgreichen Netflix Serie The Crown thematisiert, die mittlerweile vier Staffeln hat.

Prinz Philip ist eine der Hauptfiguren, um die sich die Serie dreht. Also nicht der echte, kürzlich verstorbene Prinz Philip, sondern die fiktive Figur des Prinz Philip, verkörpert von den Schauspielern Tobias Menzies und Matt Smith. Was beim Schauen der Serie nämlich schnell in Vergessenheit gerät ist, dass wir keinen biographischen Dokumentarfilm, sondern eine Drama-Serie schauen.

Diese stellt den Prinzgemahl in erster Linie als Mann dar, der unter der Regentschaft seiner Frau in dem Sinne leidet, dass er für ihr Amt bei seinen Wünschen und Träumen immer wieder zurückstecken muss. So entwickelt man als Zuschauer recht schnell Mitleid mit dem Prinzen. Dieser fällt einem gleichzeitig aber auch durch seinen vielen lustigen, teils stark sarkastischen Bemerkungen und seine ungezügelte Zunge auf. Diese Darstellungen weisen durchaus Parallelen zur Realität auf, so begrüßte Prinz Phillip 1997 Bundeskanzler Helmut Kohl als „Reichskanzler“. Viele seiner Aussagen wurden als rassistisch oder sexistisch wahrgenommen und sind für die Betroffenen sehr verletzend. Diese Seite des Prinzen wird in der Serie jedoch kaum bis gar nicht thematisiert. Stattdessen zeichnet The Crown ein überwiegend positives Bild vom Duke of Edinburgh.

Ganz anders wird allerdings Camilla Parker-Bowles, die Ehefrau von Prinz Charles, abgebildet. Die Art und Weise in der die fiktive Camilla in der Serie dargestellt wird, hat zu einem regelrechten Shitstorm für die echte Camilla geführt. Denn in der Serie wird ihre Affäre mit Prinz Charles durch fiktive Gespräche und Inszenierungen, von denen man nicht weiß, ob sie so stattgefunden haben, dramatisiert und überspitzt dargestellt.

Personen, die in der Öffentlichkeit stehen sind stets Spekulationen und Gerüchten ausgesetzt, deswegen sollte man sich bei Inhalten, die das Leben dieser thematisieren bewusst sein, dass nicht alles echt ist. Serien wie The Crown tragen dazu bei, dass die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Eine fiktive Serie sollte nicht die Grundlage für Meinungen über echte Geschehnisse oder Personen bilden. Wir als Zuschauer sollten uns dessen stets bewusst sein.

Alle vier Staffeln von The Crown sind auf Netflix verfügbar, eine fünfte und sechste Staffel sind bereits angekündigt.

Text: Sophie Owtscharenko, Yelin Türk

Bild: https://www.cinema.de/kino/news/tobias-menzies-wird-zu-prinz-philip-in-der-dritten-staffel-von-the-crown-290629_ar.html

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