Earthday Themenwochen

Fleisch? Nein, danke!

Letztens habe ich auf Instagram einen Beitrag der Tagesschau gesehen, der mich (ausnahmsweise mal) richtig glücklich gemacht hat. Es ging um das Thema Fleischkonsum: In Deutschland wurden 2022 „nur“ noch 52kg Fleisch pro Kopf verzehrt, das sind 4,2kg weniger Fleisch als im Jahr 2021. Der Rückgang beim Konsum von Fleischprodukten ist schon länger zu beobachten, 2022 wurde aber der niedrigste Stand seit Beginn der Berechnungen festgestellt. Das ist doch mal ein Rekord, den man feiern kann.

Denn ein verringerter Konsum von Fleisch ist nicht nur gut für die Tiere, die aufgrund der kleineren Nachfrage weniger oft geschlachtet werden, sondern auch für uns Menschen, genauer gesagt für unseren ökologischen Fußabdruck. Der Flächenfußabdruck ist ein Teil des ökologischen Fußabdrucks und meint die Fläche, die nötig ist, um unsere Ernährung zu sichern. Das heißt, dass Fleischesser:innen zwangsweise einen größeren Flächenfußabdruck hinterlassen als beispielsweise Veganer:innen. Das liegt daran, dass für die Erzeugung von Fleischprodukten Fläche zum Anbau der Nahrungsmittel für die Tiere, die später geschlachtet werden, nötig ist, und zusätzliche Fläche für die Haltung der Tiere selbst. Bei einer veganen Ernährung wird etwa 50% weniger Fläche gebraucht als bei einer Ernährung, die den Konsum von Fleisch beinhaltet. Ändern wir etwas daran, was bei uns auf dem Tisch landet, ändern wir auch etwas an unserem Klimafußabdruck – tatsächlich entfallen ca. 25% des Fußabdrucks einer in Deutschland lebenden Person auf ihre Ernährung, der größte Teil davon auf tierische Produkte. Möchte man also der Umwelt etwas Gutes tun, ist es keine schlechte Idee, bei der Ernährung anzusetzen.

Es ist auf jeden Fall nicht einfach, vom einen auf den anderen Tag auf jegliche Fleisch- und Milchprodukte zu verzichten. Aber es war noch nie einfacher als jetzt: Seit einigen Jahren erweitert sich das Sortiment an Ersatzprodukten, das in Supermärkten zu finden ist, gewaltig. So kann auch der stärkste Hunger nach einem Schnitzel oder einer Bratwurst mit vielen veganen Produkten gestillt werden. Natürlich können diese den Geschmack des „Originals“ nicht immer zu 100% nachahmen – aber das müssen sie auch nicht. Hauptsache, man findet ein Produkt, das einem schmeckt, und für das kein Tier sterben müsste. Denn am Ende des Tages sind es meiner Meinung nach folgende Fragen, die man sich stets stellen sollte: Ist mir mein eigener Genuss wichtiger als das Leben eines Tiers? Kann ich es verantworten, wenn wegen mir ein Lebewesen getötet wird, oft auf brutalste Weise? Ist mir die Mahlzeit auf meinem Teller es wirklich wert, später mit einem nagenden schlechten Gewissen bei der Tierdoku im Fernsehen wegzuschalten, weil ich nicht sehen will, wo meine Salami wirklich herkommt? Wie kann es sein, dass ich die Vorstellung nicht ertrage, dass jemand meinem Hund oder meiner Katze etwas antut, aber ich mich bei Schweinen und Rindern rausreden und erklären möchte, warum diese getötet werden dürfen?

Diese Fragen sind natürlich sehr provokant formuliert. Ich selbst habe mich früher von genau solchen Fragen sehr angegriffen gefühlt, weil ich nicht wusste, wie ich mich für meinen Fleischverzehr rechtfertigen kann. Viel wichtiger als Leute zu verunsichern und sie für ihr Essverhalten anzuprangern, ist es – wie ich finde – Verständnis zu zeigen. Fast alle von uns sind damit aufgewachsen, dass Fleisch- und Milchprodukte ein alltäglicher Bestandteil des Lebens sind. Sie dann auf einmal wegzulassen, ist für viele ein großer und schwieriger Schritt. Deshalb sollte man sich vielleicht erst einmal die Frage stellen, wie man generell den eigenen Fleischkonsum reduzieren könnte, zum Beispiel nur noch zwei- bis dreimal in der Woche Fleisch zu essen. Irgendwann merkt man möglicherweise, dass man diese Art von Lebensmitteln nicht mehr allzu stark im Speiseplan vermisst und aus einmal pro Woche wird keinmal… Aber das kann durchaus dauern.

Wenn man sich dann auch einmal an einer veganen Ernährung versuchen möchte, schütteln viele die Köpfe. „Zu kompliziert!“, heißt es oft. Das kann ich zwar ansatzweise verstehen, aber im Supermarkt des Vertrauens findet man, wie oben bereits erwähnt, Ersatzprodukte in Hülle und Fülle, mittlerweile auch für Produkte wie Käse oder Sahne. Es ist also durchaus möglich, auch auf Milchprodukte zu verzichten und diese durch gute Alternativen zu ersetzen. Möglicherweise findet man ja eine leckere Hafermilch, die sich im morgendlichen Müsli noch besser macht als die gute alte Kuhmilch. Und schwupps, schon hat man ein veganes Frühstück und damit jeden Tag eine Mahlzeit, die keine tierischen Produkte enthält. Oder man entscheidet sich dazu, am Wochenende vegan zu essen und unter der Woche vegetarisch. Oder umgekehrt. Oder man isst nie Fleisch außer bei der Oma, weil die in diesem Leben keine Vegetarierin mehr wird und schnell judgy reagiert, wenn es um das Thema fleischlose Ernährung geht…

Es gibt jedenfalls unglaublich viele Möglichkeiten, sein Essverhalten umwelt- und tierfreundlicher zu gestalten. Und man muss sich definitiv nicht unter Druck setzen, ein bestimmtes Label erfüllen zu können. Niemand muss komplett vegetarisch oder vegan leben! Allein der Versuch zählt. Dieses Schwarz-Weiß-Denken, dass die Welt in Fleischesser:innen und Nichtfleischesser:innen einteilt, nützt doch letztendlich niemandem etwas. Und Vegetarier:innen, die Gelatine essen, kommen auch definitiv nicht in die Hölle. Dieser Stress, alles sofort „richtig“ zu machen, schreckt Anfänger:innen und Neugierige ab, die dann möglicherweise nichts an ihrem Konsum ändern, aus Angst „alles falsch“ zu machen und verurteilt zu werden. Schlussendlich sind wir doch alle nur Menschen und wir sollten versuchen, uns gegenseitig bei neuen Erfahrungen zu unterstützen. Etwas Neues ausprobieren ist immer toll. Und vielleicht geht es auch euch so, wenn ihr das nächste Mal essen seid: Ihr schaut euch die Speisekarte an und denkt euch: „Heute was mit Fleisch essen? Nein, danke.“



Quellen:
https://www.instagram.com/p/CqlWykeobC6/
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/studie-ernaehrung-flaechenbedarf-klima

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